E-Portfolio mit Mahara an der PH Wien 2016

Personal Branding in Education

Schlagwörter: (Peer-)Feedback, Aufgaben, Feed back, Feed forwardInterview, Feed up, Flow Chart, Fortbildungsveranstaltung, GMW16, Lehrportfolio, Peer Feedback Mehr ...
undefinedAngelika Zagler, Reinhard Bauer, Klaus Himpsl-Gutermann, Hedy Wagner

Personal Branding in Education

Wie viel (Peer-)Feedback braucht ein digitales Lehrportfolio? Eine Überlegung

Beitrag zur GMW2016 | 24. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft: "Digitale Medien: Zusammenarbeit in der Bildung", Innsbruck, 29. August - 1. September 2016

Die vorliegende E-Portfolioansicht ist als erweiterte Fassung des im Tagungsband bei Waxmann publizierten Short Papers zu verstehen [s. Zagler, Angelika; Bauer, Reinhard; Himpsl-Gutermann, Klaus & Wagner, Hedy (2016). Personal Branding in Education: Wie viel (Peer-)Feedback braucht ein digitales Lehrportfolio? Eine Überlegung. In: J. Wachtler, M. Ebner, O. Gröblinger, M. Kopp, E. Bratengeyer, H.-P. Steinbacher, C. Freisleben-Teutscher, C. Kapper (Hrsg.), Digitale Medien: Zusammenarbeit in der Bildung (S. 221-226). Münster: Waxmann. (= Medien in der Wissenschaft, Nr. 71)]. Im Mittelpunkt steht hier v. a. die Beschreibung des Konzepts der internen Fortbildung zum Thema "Digitales Lehrportfolio an der PH Wien (Teach4PHW)".

Link zur Online-Version des Short Papers

Pecha Kucha Vortrag GMW 2016

Abstract

Dieser Kurzbeitrag beschäftigt sich mit der Bedeutung von (Peer-)Feedbacks im Rahmen der Arbeit an und mit digitalen Lehrportfolios. Ausgehend von der Vorstellung, dass Lehrportfolios einen wesentlichen Beitrag zum Personal Branding von Lehrenden leisten sollen, wurden Notwendigkeit und Effektivität von Feedback mithilfe einer Befragung von Absolventinnen und Absolventen eines Lehrgangs für Hochschuldidaktik herausgearbeitet. Daraus wurde ein Konzept für eine Fortbildungsveranstaltung, die Lehrende bei der Erstellung von digitalen Lehrportfolios unterstützen soll, abgeleitet. Zentrales Anliegen ist es, den Aspekt des Feedbacks stärker in die Diskussion um die nachhaltige Implementierung von (digitalen) Lehrportfolios und die Etablierung einer Scholarship of Teaching an Hochschulen einzubeziehen.

Analyse der Interviews (n=7)

Mit dem Fokus auf die im Lehrgangs zur Hochschuldidaktik an der PH Wien erstellten digitalen (Lern-)Portfolios und dem dabei erlebten (Peer-)Feedback werden in Tab. 1, 2 und 3 die Aussagen der Befragten den angeführten Kategorien auf den Ebenen der Aufgabe, des Lernprozesses und der Selbstorganisation zugeordnet.

Fragestellungen für "Episodische Interviews" (nach Flick 2011)

  1. Was sind deine ersten Erfahrungen mit dem E-Portfolio? Versetze dich an den Anfang des Lehrgangs zurück und gib mir ein (paar) Beispiel(e), an dem (denen) diese deutlich werden.
  2. Wie ist es dir bei der E-Portfolio-Arbeit im Laufe der einzelnen Lehrveranstaltungen gegangen? Bitte erzähle mir eine (oder mehrere) konkrete Situationen.
  3. Im Rahmen des Lehrgangs habt ihr unter der Leitung von "Name des Vortragenden" (anonymisiert) zum Thema Lehrportfolio gearbeitet. Was ist dir davon in Erinnerung geblieben?
  4. Welche Erwartungen hast du in Hinblick auf die Erstellung eines eigenen Lehrportfolios? Phantasiere darüber, wie dein zukünftiges Berufsleben bzw. die zukünftige Auseinandersetzung mit dieser Form des E-Portfolios aussehen könnte.
  5. Am Ende des Lehrgangs ist es Zeit, ein wenig Bilanz zu ziehen: Welche Rolle spielte für dich die E-Portfolio-Arbeit im Laufe des Lehrgangs? Illustriere das bitte anhand ganz konkreter Situationen.

Feed up, Feed Back und Feed Forward als Auswertungskategorien

Abb. 1: Feedback-Prozess auf unterschiedlichen Ebenen (in Anlehnung an Hattie, 2009, S. 176 bzw. Hattie & Timperley, 2007, S. 87)
(Details)

Die Ebene, die sich auf das Selbst bzw. die Person der/des Lernenden bezieht (in Abb. 1 grau hervorgehoben), wird in der vorliegenden Studie nicht berücksichtigt, da sie nur bedingt lernrelevante Information bietet: „It usually contains little task-related information and is rarely converted into more engagement, commitment tot he learning goals, enhanced self-efficacy, or understanding about the task. FS [Feedback, das sich auf das Selbst bzw. die Person der/des Lernenden bezieht] can have an impact on learning only i fit leads to changes in students’ effort, engagement, or feelings of efficacy in relation tot he learning or tot he strategies they use when attempting to understand tasks“ (Hattie & Timperley, 2007, S. 96).

Tab. 1: Ebene der Aufgabe

Wie gut wurde die Aufgabe verstanden bzw. erledigt?

Feed up: Was ist mein Ziel?

Feed back: Wie geht es voran?

Feed forward: Was kommt als Nächstes?

„Das war die tollste LV. Wir haben verschiedene E-Portfolios gesehen, auch Lehrportfolios; dazu haben wir viele Aufgaben bekommen, die mir viel gebracht haben“ (B1, 12).

„[..] praxisnah, fachlich kompetent, viele Beispiele – man konnte alles nachvollziehen“ (B2, 17).

„Durch die Bearbeitung der klaren Fragestellungen sind schon Teile eines Lehrportfolios entstanden, die man gleich auf Mahara stellen konnte. Da kann man gut weiterarbeiten“ (B2, 17).

„In der Schulpraxis sollen alle Lehrenden die Studierenden bei ihren Reflexionen in den E-Portfolios begleiten“ (B1, 14).

„[..] man reflektiert mehr, man überlegt sehr genau, was man schreibt, es ist ja doch viel bindender, wenn es öffentlich ist“ (B3, 83).

„Ich glaube, dass es [das Lehrportfolio] eine gute Sache ist, weil es einen auch zur Reflexion zwingt; ich überlege meine Position, meine Lehre, meine Aufgaben und wie ist mein Verhältnis zu den Studierenden“ (B2, 22).

„Durch die vielen Aufgaben, die strukturierte wissenschaftliche Aufbereitung, der Anstoß sich mit neuen Medien mehr auseinanderzusetzen, sich zum Thema Forschung mit Kolleg/innen auszutauschen – das war alles sehr positiv“ (B2, 26).

„Das Miteinander hat mir gut gefallen, wir waren eine eingeschworene Gruppe und haben es sehr wichtig genommen, unsere Arbeitsaufträge gut zu erledigen, wir haben gut zusammengearbeitet“ (B1, 24).

„Das e-Portfolio hat zu meiner Weiterentwicklung beigetragen, weil ich sofort alles umsetzen konnte und es mittlerweile üblich ist ein Portfolio, zu welchem Zweck auch immer, zu haben. Ich werde mein Lehrportfolio machen“ (B3, 106).

Die zitierten Interview-Ausschnitte werden mit einem Buchstaben (B steht für Befragte/r) und einer Zahl (z.B. 21), die dem jeweiligen Absatz im Transkript des Interviews entspricht, gekennzeichnet.

Tab. 2: Ebene des Lernprozesses

Was muss getan werden, um die Aufgabe zu verstehen bzw. zu erledigen?

Feed up: Was ist mein Ziel?

Feed back: Wie geht es voran?

Feed forward: Was kommt als Nächstes?

„An das Lehrportfolio wurden wir langsam herangeführt, es sind ja viele Bereiche an der Institution eingebunden“ (B3, 46).

„Diese vielen Beispiele, praxisnah und ansprechend, man konnte das alles problemlos nachvollziehen: die Wichtigkeit, die Anwendungen und die verschiedensten Strukturen“ (B2, 17).

„Durch seine Textbausteine und klaren Fragestellungen hat man schnell Teile eines eigenen Lehrportfolios gehabt“ (B2, 17).

„[Er] hat uns so herangeführt, indem er uns die Frage gestellt hat, wie wir das an unserer Institution machen würden, welche Bereiche müssten zusammenspielen, gibt es Unterstützung oder nicht – das war eine richtige Entwicklung“ (B3, 46).

„Ich glaube, dass es eine gute Sache ist, weil es einen zur Reflexion zwingt, zur Überlegung zur eigenen Position, zu meiner Lehre, meinen Aufgaben, meinem Verhältnis zu den Studierenden – das ist ein Reflexionsprozess“ (B2, 21).

„Man müsste klein anfangen, in Eigenverantwortung, und sukzessive sein Portfolio bestücken und mit PHO [Verwaltungsprogramm] verlinken“ (B3, 81).

„Ich glaube, es wird sowieso kommen, weil es in unserem Umfeld in Deutschland und in der Schweiz bereits verlangt wird. Es gehört einfach dazu, es ist ein Tool zur Professionalisierung“ (B2, 24).

„Ich hab mein Ziel erreicht, den RHD [Hochschuldidaktik-Lehrgang] abgeschlossen, der mir nur Positives gebracht hat und zu meiner persönlichen Weiterentwicklung beigetragen hat. Ich habe alles sofort eins zu eins nutzen können“ (B3, 106).

„Wenn ich das Lehrportfolio mal außer Acht lasse, dann würde ich sagen, auch der Blick über den Tellerrand, über die Institute, die Vernetzung mit anderen Kolleg/inn/en zum Thema Forschung, die in meiner Ausbildung kein Thema war, hat mich weitergebracht. Mir wurde die Scheu genommen, mich mit Forschung auseinanderzusetzen“ (B2, 26).

„Meine Schulpraxis möchte ich umstellen, komplett auf E-Portfolio, kann mir auch vorstellen ein Berufsportfolio für die Studierenden, das komplett auf Mahara gemacht wird“ (B1, 19).

Tab. 3: Ebene der Selbstregulation

Wie ist der eigene Lernprozess einzuschätzen, wie kann er verbessert werden?

Feed up: Was ist mein Ziel?

Feed back: Wie geht es voran?

Feed forward: Was kommt als Nächstes?

„Wir hätten eigentlich nur zwei Aufgaben machen müssen, ich habe aber dann doch drei gemacht, weil mir das für meine Zukunft in der Lehre und in der Schulpraxis etwas bringt. Er hat uns auch ein tolles Feedback gegeben, mit dem man weiterarbeiten kann“ (B1, 12).

„Durch die vielen praxisnahen Beispiele konnte man alles problemlos nachvollziehen, die Wichtigkeit, die Anwendungen – es war alles strukturiert aufgebaut, wie ich es gerne habe, das ist so meine Arbeitsweise“ (B2, 18).

„Das Konzept des Lehrportfolios ist ein ganz wichtiges Instrument für die kollegiale Hospitation. Da erwarte ich mir Offenheit, was den Unterricht, meine Vorbereitung und auch die Leistungsbeurteilung anbelangt“ (B3, 63).

„Ich glaube, wenn man von oben sagt, wir haben viele gute Lehrende und es wäre schön, wenn sich diese Lehrenden mit all ihren Forschungsarbeiten, Projekten und ihrem Unterricht mit einem Lehrportfolio präsentieren würden, wäre das die Wertschätzung und würde die Qualität steigern“ (B3, 82).

„Ich finde ein Lehrportfolio eine absolut gute Sache, weil es mich zur Reflexion zwingt. Man muss sich überlegen, wie sehe ich meine Position, meine Lehre, wie definiere ich mich als Lehrende, wie ist mein Verhältnis zu meinen Studierenden. Es ist ein Bewusstmachen des Reflexionsprozesses“ (B2, 21).

„Ich möchte, dass die Studierenden das E-Portfolio in der Schulpraxis verwenden. Ich kann sie besser begleiten, damit sie reflektieren und Feedback geben lernen. Das ist wirklich konstruktiv, auch für die Zukunft in der Unterrichtstätigkeit. Ich kann für mich auch gleich meine Reflexion zu den Lehrübungen, nicht sichtbar für die Studierenden, hineinschreiben, wie es mir mit den Studierenden gegangen ist, für meine persönliche Weiterarbeit“ (B1, 14).

„Es war sehr wichtig, die Aufgaben und die Reflexionen möglichst zeitnah zu schreiben und hochzuladen. Am Ende war ich froh, dass ich es so gemacht habe und dadurch nichts verloren gegangen ist“ (B3, 113).

„Die persönliche Entwicklung zu sehen, z.B. die ersten Beiträge im E‑Portfolio, die ich geschrieben habe, im Vergleich zu letzten – die persönliche Entwicklung ist eigentlich unglaublich“ (B3, 97).

„Wir werden einen Jour fixe einführen, um sich in der Peergroup Unterstützung zu

holen, sich einfach in der Gruppe die Bestätigung holen, dass die Richtung in die man schaut, in die man forschen will, ob das sinnvoll ist. Qualitätsvoll in der gleichen Sprache, man muss nichts erklären, wir haben alle die gleiche Vorbildung“ (B2, 28).

In Hinblick auf die Zuteilung der Textsegmente zu den angeführten Kategorien muss darauf hingewiesen werden, dass in manchen Fällen eine eindeutige Abgrenzung nur bedingt möglich war und diese demnach nur subjektiv erfolgen konnte und auch als solche betrachtet werden muss.
a

Aus den Interviews abgeleiteter Umsetzungsprozess ("Tech4PHW")

Abb. 2: Umsetzungsprozess „Digitales Lehrportfolio als Werkzeug zur Kompetenzentwicklung“ (modifiziert in Anlehnung an Bauer & Baumgartner, 2012, S. 88)
(Details)

Um eine Aussage darüber treffen zu können, wie viel (Peer-)Feedback für die Erstellung eines digitalen Lehrportfolios erforderlich ist, wurde versucht, die Aussagen der befragten Absolventinnen und Absolventen des Hochschullehrgangs zu den erwähnten Fragestellungen 3, 4 und 5 mit dem skizzierten Feedback-Modell von Hattie und Timperley in Bezug zu setzen. Im Vordergrund stand dabei die Zuordnung einzelner Interviewpassagen zu den Kategorien „Feed up“, „Feed back“ und „Feed forward“. Das (Peer-)Feedback kommt v.a. in der selbstorganisierten Lernphase (vg. Abb. 2) zum Tragen.

Lehren sichtbar machen: das Konzept von "Teach4PHW"

An der PHW wurde eine interne Fortbildungsveranstaltung entwickelt, die den im Short Paper erläuterten Analyseergebnissen Rechnung zu tragen versucht: Besonderes Augenmerk wurde dabei dem (Peer-)Feedback geschenkt, konkret dem lernrelevanten Feedback im Sinne von Hattie und Timperley (2007).

Den Aufbau und die Aufgabenstruktur dieser Fortbildungsveranstaltung können Sie den folgenden Ausführungen entnehmen.

Ziele der Fortbildungsveranstaltung

Die Fortbildungsveranstaltung verfolgt drei Hauptziele:

  1. Die Teilnehmer/innen erwerben Kompetenzen in der Konzeption und Gestaltung einer vorzeigbaren Dokumentation von Fähigkeiten in Form eines persönlichen Lehrportfolios unter Verwendung der Open-Source-Software Mahara.
  2. Die Teilnehmer/innen erwerben theoretisches und praktisches Know-how in Hinblick auf die Erweiterung der eigenen Handlungskompetenzen in der Lehre.
  3. Die Teilnehmer/innen erwerben ein kritisch-reflexives und wissenschaftlich fundiertes Urteilsvermögens in Hinblick auf die eigenen didaktischen Stärken und Möglichkeiten, wodurch Besonderheiten, Kumulationen und Begabungen, die unbewusst vielleicht wahrgenommen, bisher aber nicht formuliert bzw. wertgeschätzt wurden, deutlich hervortreten können. Diese Ergebnisse sollen die Teilnehmer/innen in die Lage versetzen, ihr eigenes (Lehr-)Profil zu schärfen.

Inhalte der Fortbildungsveranstaltung

Mit einem Lehrportfolio übernehmen Lehrende die Verantwortung und den Nachweis für exzellente Hochschullehre. Im anglo-amerikanischen Raum ist es als ein Instrument zur Beschreibung ausgewählter und einzeln und in Gruppen reflektierter Leistungen der eigenen Lehrtätigkeit weit verbreitet. Diese Entwicklung gewinnt auch im deutschsprachigen Raum an Bedeutung: Das Lehrportfolio wird nach innen zum Qualitätsentwicklungs- und nach außen zum Bewerbungsinstrument. Dokumentation und Reflexion ermöglichen Selbstbild und Standortbestimmung der eigenen Lehre, zwei wichtige Voraussetzungen für die kontinuierliche (Weiter-)Entwicklung didaktischer Stärken und die Eröffnung zukünftiger Perspektiven.

Im Zentrum der Fortbildungsveranstaltung stehen:

  • Erwerb von Kompetenzen in der Konzeption und Gestaltung einer vorzeigbaren Dokumentation von Fähigkeiten in Form eines persönlichen Lehrportfolios unter Verwendung der Open-Source-Software Mahara
  • Erwerb von theoretischem und praktischem Know-how in Hinblick auf die Erweiterung der eigenen Handlungskompetenzen in der Lehre
  • Erwerb eines kritisch-reflexives und wissenschaftlich fundierten Urteilsvermögens in Hinblick auf die eigenen didaktischen Stärken und Möglichkeiten, wodurch Besonderheiten, Kumulationen und Begabungen, die unbewusst vielleicht wahrgenommen, bisher aber nicht formuliert bzw. wertgeschätzt wurden, deutlich hervortreten können.

Geplanter Ablauf der Fortbildungsveranstaltung

Die Fortbildungsveranstaltung findet im Blended-Learning-Modus (vgl. Umsetzungsprozess der Fortbildungsveranstaltung) statt:

  1. Präsenz-Halbtag 01 (Kick-off-Meeting): Einstieg in das Thema, Erweiterung der Kenntnisse im Umgang mit Mahara, Planung des eigenen Kompetenzportfolios
  2. Betreutes Online-Lernen (Selbstorganisierte Lernphase): Beschäftigung mit Literatur und Links zu Lehrportfolios, Gestalten eines ersten Lehrportfolio-Prototyps, Peer-Feedback
  3. Präsenz-Halbtag 02 (Work-in-Progress-Lektionen): Präsentation der Work-In-Progress-Ergebnisse auf Mahara, Rückfragen und Diskussion, Entwicklung weiterer Zielsetzungen
  4. Betreutes Online-Lernen (Selbstorganisierte Lernphase): Fertigstellung des eigenen Lehrportfolios.

Die selbstorganisierten Lernphasen werden von einer/einem E-Tutor/in begleitet. Er/Sie steht persönlich in seinem/ihrem Büro oder per E-Mail für Rückfragen zur Verfügung.

Umsetzungsprozess der Fortbildungsveranstaltung

Abb. 2: Umsetzungsprozess „Digitales Lehrportfolio als Werkzeug zur Kompetenzentwicklung“ (modifiziert in Anlehnung an Bauer & Baumgartner, 2012, S. 88)
(Details)

Aufgaben zur Gestaltung eines digitalen Lehrportfolios

download.php?file=146137&embedded=1&text=105320

Das digitale Lehrportfolio ist Ihre Visitenkarte nach außen und unterstützt Ihren professionellen Auftritt. Es fördert die Selbstreflexion, begleitet Sie in Ihrer Lehrtätigkeit und spiegelt Ihren persönlichen Entwicklungsstand wider. Darüber hinaus bildet es die Grundlage für die kollegiale Zusammenarbeit von Lehrenden innerhalb einer Bildungseinrichtung.

Bearbeiten Sie vor diesem Hintergrund die folgenden Aufgaben und erstellen Sie Ihr persönliches Lehrportfolio. Versuchen Sie dabei, die Möglichkeiten von Mahara möglichst umfassend auszunutzen (Einbinden von Multimedia wie Video, Audio, Foto, Blog etc.).

Die ausgewählten Aufgaben orientieren sich z. T. an der Anleitung zum Erstellen eines Lehrportfolios von ProLehre der Technischen Universität München (vgl. http://www.prolehre.tu-muenchen.de/cms/images/stories/tenure/vorlage_lehrportfolio.pdf, abgerufen am 15.12.2015).

Im Rahmen der Gestaltung des digitalen Lehrportfolios geht es auch darum, sich mit dem Thema des Peer-Feedbacks auseinanderzusetzen. Sie können dabei nach der Anleitung im Anschluss an die Aufgabenstellungen vorgehen.

Flow Chart Aufgaben

Aufgabe 01: Lehrphilosophie

Zielsetzung
  • Lehrpersönlichkeit sichtbar machen
Mögliche Inhalte

In der Lehrphilosophie schaffen Sie den Rahmen für alle weiteren Teile Ihres digitalen Lehrportfolios, indem Sie Ihre grundlegenden Überzeugungen und Vorstellungen von Lehren und Lernen auf den Punkt bringen.

Da jede Lehrphilosophie auf persönlichen Erfahrungen und Auffassungen beruht, hat sie einen sehr individuellen Charakter. Schreiben Sie Ihr Verständnis von Lehren und Lernen in der Ich-Perspektive und unterschieden Sie zwischen Ihren Vorstellungen und denen von anderen. Achten Sie beim Verfassen Ihrer Lehrphilosophie darauf, Ihre persönlichen Lern-/Lehrüberzeugungen möglichst umfassend und theoretisch fundiert darzulegen. Stellen Sie einen Zusammenhang zwischen Ihren Vorstellungen von Lehren und Lernen und Ihren Veranstaltungen und Methoden her.

Folgende Fragen können Sie bei der Ausformulierung Ihrer Lehrphilosophie berücksichtigen:

  • Wie verstehen Sie Ihre Rolle, Funktion und Aufgabe als Lehrernde/r an der PH Wien? Welche Ziele verfolgen Sie als als Lehrende/r und wie möchten Sie diese Ziele erreichen? Welche Leitideen bzw. didaktischen (Grund-)Konzepte stehen dahinter? Was sind Ihre didaktischen Prinzipien? Was macht Sie als Lehrpersönlichkeit aus? Welche Werte möchten Sie in Ihrer Lehre vermitteln? Woraus ziehen Sie Ihre Lehrmotivation? etc.
  • Wie stehen Sie zur Lehrkultur des eigenen Faches?
  • In welchem Zusammenhang stehen bei Ihnen Forschung und Lehre?
  • Was verstehen Sie unter Lernen? Was sind Ihrer Ansicht nach unabdingbare Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen? Was erwarten Sie von den Studierenden? Wie stellen Sie sich die Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden idealerweise vor? Welche Haltung nehmen Sie gegenüber Ihren Studierenden ein? etc.
Form, Format und Umfang
  • narrativ
  • Ich-Botschaften
  • Verallgemeinerungen, Details zu didaktischen Konzepten, Details zur Lehrpraxis sind zu vermeiden
  • ca. 8-15 Sätze

Aufgabe 02: Persönliches Kompetenzprofil

Diese Aufgabe basiert auf dem Erfassungsbogen Kompetenzprofil (abgerufen am 15.12.2015) von ProLehre (TU Münschen).

Zielsetzung
  • Darstellung des eigenen Kompetenzprofils begründen
Mögliche Inhalte

Wählen Sie aus den aufgelisteten Kompetenzbereichen mindestens fünf Kompetenzen aus, die Sie bereits entwickelt haben bzw. weiterentwickeln wollen. Welche dieser Kompetenzen einer/eines Hochschullehrenden sind in Ihrer Lehre von besonderer Bedeutung? Begründen Sie Ihre Auswahl, indem Sie kurz darlegen, wie Ihre Lehrtätigkeit von der Entwicklung der ausgewählten Kompetenzen konkret profitiert hat bzw. profitieren wird.

Form, Format und Umfang
  • Liste von Kompetenzen
  • Ich-Botschaften
  • ca. 8-15 Sätze

Tabelle 01: Kompetenzen einer/eines Hochschullehrenden

Entwicklung von Lehrkonzepten  Umsetzung von Lehrkonzepten
Lernergebnisse entwickeln  Kontakt zu Studierenden aufbauen und halten
Lernstrategien entwickeln  etwas präsentieren (monologische Lehre)
Präsenzveranstaltungen konzipieren  etwas interaktiv erklären (dialogische Lehre)
Inhalte auswählen  Lehrmethoden und Medien anwenden
einen Ablauf entwerfen  gruppendynamische Prozesse lenken
Lehrmethoden und Medien auswählen  Projektgruppen begleiten
Selbstlernphasen mitgestalten  Beratungsgespräche führen
Lernmaterialien erstellen  Lernen durch Feedback fördern
Prüfungen konzipieren  Prüfungen durchführen und bewerten
geeignete Prüfungsformen wählen  Prüfungsgespräche führen
Prüfungsaufgaben entwerfen  schriftliche Prüfungen durchführen
Prüfungen lernförderlich anlegen  schriftliche Prüfungen korrigieren und bewerten
   
Organisation von Lehre Lehre reflektieren
Rahmenbedingungen der Hochschullehre gestalten die eigene Lehre reflektieren und innovieren
eine gute Infrastruktur aufbauen und pflegen Feedback einholen und konstruktiv damit umgehen
studentische Hilfskräfte effektiv einsetzen die eigene Lehre in ein Gesamtaufgabenfeld einbetten
kooperativ lehren mit Fehlern und schwierigen Lehrsituationen umgehen

Aufgabe 03: Lehrpraxis - Übersicht über Lehrveranstaltungen

Zielsetzung

Darstellung von Art, Umfang und Diversität der eigenen Lehrerfahrung

Mögliche Inhalte
  • für jede LV: Titel, Zielgruppe, Semester, Studiengang, Umfang (SWS, ECTS), Format, wann/wie oft gehalten, Hinweis auf Eigenverantwortlichkeit oder LV-Assistenz, ggf. Links zu PH-Online
  • Übungs- und Praktikumsbetreuung
  • Betreuung studentischer Arbeiten (BAC-Arbeit, Anzahl und je nach Anzahl exemplarische oder vollständige Auflistung)
Form, Format und Umfang
  • tabellarisch
  • chronologisch, falls wenig Lehrerfahrung
  • nach Veranstaltungen (Vorlesung, Seminar, Übung, Exkursion, Kolloquium etc.) sortiert bei größerer Lehrerfahrung

Aufgabe 04: Lehrtätigkeit - Darstellung von zwei Lehrkonzepten

Zielsetzung
  • Planungskompetenz, Methodenvielfalt, Lernzielorientierung sichtbar machen
Mögliche Inhalte
  • Lehrkonzept mit Elementen des Constructive Alignment: Lernergebnis - Prüfungsmethodik/-format - Lehrmethodik/-format; Zeitplan, Literaturhinweise, Selbstlernphasen, ECTS; für ein gesamtes Semester/Modul und/oder für Einzelveranstltung (z. B. 90 min.)
  • Wählen Sie am besten zwei sehr unterschiedliche Lehrkonzepte (z. B. stark unterschiedlich im Format), um Ihre eigene Bandbreite aufzuzeigen.
Form, Format und Umfang
  • tabellarisch (Orientierung an PH-Online)
  • 1-2 DIN-A4-Seiten

Aufgabe 05: Weitere Aktivitäten in der Lehre

Zielsetzung
  • Engagement für die Lehre über "gängige" Formate hinaus sichtbar machen
Mögliche Inhalte
  • Einrichtung einer E-Learning-Plattform
  • Kooperation mit externen Einrichtungen/Institutionen
Form, Format und Umfang
  • tabellarisch oder narrativ

Aufgabe 06: Sonstiges Engagement für die Lehre

Zielsetzung
  • über das Lehrdeputat hinausgehende Leistungen sichtbar machen
Mögliche Inhalte
  • Mitglied in Berufungskommissionen, Gremien zur Verbesserung der Lehre, Lehrpreise, Publikationen zur Lehre, hochschuldidaktische Weiterbildungen, didaktische Tagungen etc.
Form, Format und Umfang
  • tabellarisch oder narrativ
  • knappe Erklärung, wo notwendig

Aufgabe 07: Evaluation von bzw. Rückmeldung auf LV

Zielsetzung
  • Feedback aktiv zur Reflexion und Optimierung der eigenen Lehre genutzt
Mögliche Inhalte
  • studentische LV-Beurteilungen, selbst entwickelte Evaluationsbögen
  • Welche Schlüsse zogen Sie aus den Rückmeldungen zur eigenen Lehre? Welche Änderungen haben Sie vorgenommen oder wollen Sie noch vornehmen?
Form, Format und Umfang
  • narrativ oder tabellarisch
  • Fokus: Auszüge aus Evaluationen etc. zitieren, kommentieren, Maßnahmen ableiten
  • idealerweise Evaluationen der LV wählen, die vorher im Lehrkonzept vorgestellt wurde
  • Gesamtevaluation nur im Anhang
  • 3 bis 5 Rückmeldungen, max. 1 DIN-A4-Seite

Aufgabe 08: Persönliche Weiterbildung

Zielsetzung
  • Form/Umfang didaktischer/lehrrelevanter Weiterbildung sichtbar machen
Mögliche Inhalte
  • hochschuldidaktische Kurse etc.
Form, Format und Umfang
  • tabellarisch
  • Inhalte stichwortartig angeben, falls nicht aus Titel der Veranstaltung ersichtlich

Aufgabe 09: Ausblick - Perspektiven für die Lehre

Zielsetzung
  • Kreativität, Übernahme von (Lehr-)Verantwortung, Blick für Lehr-Bedarfe sichtbar machen
Mögliche Inhalte
  • Beschreibung einer neuen LV (Titel, Zielgruppe, Semester, Studiengang, Format, kurzer inhaltlicher Abriss, Begründung der Relevanz etc.)
Form, Format und Umfang
  • tabellarisch

Anhang Lehrportfolio

  • Rückmeldungen auf LV (Evaluationsergebnisse, kollegiales Feedback etc.)
  • Auszug aus Skripten (z. B. Inhaltsübersicht)
  • Arbeits- und/oder Übungsblätter (Auszüge, begleitend zum Lehrkonzept; nur dann, wenn besonders innovativ)
  • Klausuraufgaben (Auszüge, begleitend zum Lehrkonzept)
  • Modulbeschreibungen (nur als Modulverantwortliche/r)
  • diverse Links zu externen Websites

Anleitung zum Peer-Feedback

Um die Erstfassung des eigenen Lehrportfolios gezielt überarbeiten zu können, sind entsprechende Rückmeldungen von anderen sehr hilfreich. Da Sie und Ihre Kolleg/inn/en vergleichbare Ansichten erstellen, arbeiten Sie bei dieser Aufgabe zu zweit (= Lerntandem). Zunächst geht es um die inhaltliche Überarbeitung der jeweiligen Texte und erst danach um formale Aspekte.

Gehen Sie folgendermaßen vor:

  • A und B setzen sich mit dem digitalen Lehrportfolio des jeweils anderen auseinander und geben zu folgenden Punkten Rückmeldung:
    1. Kohärenz des gesamten Portfolios (Roter Faden): Ist der Hauptteil des Portfolios kohärent und stringent geschrieben? Beziehen sich die einzelnen Teile immer wieder auf das eigene Lehrkonzept?
    2. Gliederung und Aufbau: Ist die Gliederung des Portfolios klar?
    3. Lehrkonzept: Wir das eigene Lehrkonzept schlüssig dargestellt? Wird für die Darstellung auf disziplinär relevante Forschungsresultate referiert?
    4. Umsetzung der Kategorien wie Constructive Alignment, Kompetenzorientierung, Studierendenzentrierung etc.: Wird die konkrete Umsetzung der gewählten Kategorien in der Lehre einsichtig und an möglichst konkreten Beispielen dargestellt? Ist die Beschreibung der Kategorien auch in Bezug auf das eigene Lehrkonzept nachvollziehbar?
    5. Reflexion des eigenen Lehrhandelns: Werden die eigenen didaktischen Handlungen (dargesetellt an konkreten Lehrsituationen) kritisch auf einer Metaebene reflektiert? Wird die Eigenständigkeit der Gedankengänge sichtbar?
    6. Reflexion von neuen Handlungsoptionen: Weisen die Reflexionen des didaktischen Handelns auch Hinweise zur Optimierung von zukünftigem Lehrhandeln auf? Sind die dargestellten Optimierungen sinnvoll?
    7. Auswahl der Artefakte/Dokumentationen: Sind die ausgewählten Artefakte für die Ausdifferenzierung der gewählten Qualitätskriterien relevant? Sind die begründungen für die gewählten Artefakte/Dokumentationen einsichtig?
    8. Einbindung von Multimedia: Vertiefen die eingebundenen Dateien (Video, Foto, Blog etc.) die Darstellung der Kategorien in einer Weise, wie es ohne dieselben nicht möglich wäre? Werden die multimedialen Möglichkeiten sinnvoll genutzt?
    9. Navigation im E-Portfolio: Sind alle Navigationen zu den eingebundenen Dateien und zurück zur Mainpage einleuchtend? Ist die Navigation benutzer/innenfreundlich?
  • A und B diskutieren eventuelle Optimierungsvorschläge in einem Blog.

Link zu einem Lehrportfolio (Beispiel, Stand: 2012)

Zitieren als:

Zagler, Angelika; Bauer, Reinhard; Himpsl-Gutermann, Klaus & Wagner, Hedy (2016). Lehren sichtbar machen: das Konzept von "Teach4PHW"http://tinyurl.com/personal-branding-education [Datum der Abfrage].

Creative Commons Lizenz