Simone Naphegyi

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Simone Naphegyi BEd. M.A.: Studium für das Lehramt Primarstufe und der Erziehungswissenschaften (Schwerpunkt Schulentwicklung), Dissertantin an der TU Darmstadt (Fachbereich Sprachwissenschaften/Mehrsprachigkeit), mehrjährige Lehrtätigkeit im Volksschulbereich mit Schwerpunkt Deutschförderung von mehrsprachig aufwachsenden Lernenden, Erfahrungen als Schulleiterin und Erwachsenenbildnerin, Dozierende im Fachbereich Deutsch (Primarstufe) an der PH Vorarlberg

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Inhaltliche Beschreibung des Workshops

Das Thema Digitalisierung, Mediennutzung und Medienkonsum ist laut der aktuellen KIM-Studie von 2020 durch die Pandemie verstärkt in den Vordergrund gerückt. Von den 1.216 Befragten zwischen 6 und 16 Jahren gaben 41 Prozent an, dass für sie das Handy/Smartphone sehr interessant sei.

Demgegenüber bekundeten nur 14 Prozent der Befragten großes Interesse am Lesen beziehungsweise an Büchern (Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest 2021). Es stellt sich also die Frage, welche Möglichkeiten der niederschwelligen Verzahnung dieser beiden Medientypen sich im und außerhalb des Unterrichts realisieren lassen. Family-Literacy-Angebote digital zu gestalten, um damit einen breit angelegten und niederschwelligen Zugang zu literalen Angeboten zu schaffen, steht im Zentrum dieses Workshops. Durch den Einbezug von digitalen Tools im Rahmen der Lese- und Schreibförderung soll eine Brücke von analogen zu digitalen Lese- und Schreibwelten geschaffen werden. Die Vernetzung von unterrichtlicher Arbeit im Zusammenhang mit dem Aufbau von Lese- und Schreibkompetenzen mit den realen Lebenswelten der Lernenden bildet die Grundlage der drei vorgestellten Praxiskonzepte.

Der Aufbau von literalen Kompetenzen gilt als wesentlicher Faktor für die Teilhabe im Bildungssystem. Die renommierte kanadische Forscherin Ellen Bialystok drückt diesen Zusammenhang sehr treffend mit folgenden Worten aus: „Literacy is the ticket of entry into our society, it is the currency by which social and economic positions are waged, and it is the central purpose of early schooling” (ebd. 2001, S. 152). Die nachfolgend beschriebenen Unterrichtskonzepte setzen genau an dieser Stelle an und nutzen das Angebot der Digitalisierung, um dadurch vernetzte und niederschwellige Zugänge zum Aufbau von literalen Kompetenzen zu schaffen.

 

Praxiskonzept 1: Vom Rote-Faden-Text zu den digitalen Hör- und Lesedetektiven

Dass der Auf- und Ausbau bildungssprachlicher Kompetenzen in der Unterrichtssprache zu einer der zentralen Aufgaben im Unterricht der Primarstufe zählt, darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Die literal-ästhetische Sprache, wie sie beispielsweise in zahlreichen Bilderbüchern vorkommt, kann zum sprachlichen Register der Bildungssprache gezählt werden. Hellmich und Kiper (2006, S. 90-92) weisen im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit Bilderbüchern darauf hin, dass dadurch begriffliches Wissen, Problemlösefähigkeit, schlussfolgerndes Denken und Argumentationsfähigkeit bei Lernenden ausgebildet werden können. Die in den Bilderbüchern verwendete Sprache spielt dabei eine zentrale Rolle. Das adaptiv angelegte Unterrichtskonzept erfolgt entlang mehrerer Prozessschritte, die im Workshop Schritt für Schritt dargestellt werden. Diese Schritte können in groben Zügen in der Struktur von Scaffolding Language nach Gibbons (2015) verortet werden.

 

Praxiskonzept 2: Augmented Reality – Realität mit digitalen Lese- und Hörerlebnissen erweitern

Über AR (Augmented Reality) kann im unterrichtlichen Kontext bereits in der Primarstufe eine Brücke zwischen der analogen und der digitalen Welt geschaffen werden. Carmigniani & Furht (2011, S. 3) definieren AR „as a real-time direct or indirect view of a physical real-world environment that has been enhanced/augmented by adding virtual computer-generated information to it“. Im Workshop wird eine Möglichkeit aufgezeigt, wie die Erweiterung von Lese- und Schreibkompetenz im Bereich der Arbeit mit Sachtexten auf der Grundstufe II in Verbindung mit AR gebracht werden kann.

Kenntnisse über wichtige Bauwerke, Sehenswürdigkeiten und regionale Besonderheiten des Wohnortes und des Wohnbezirkes zu erwerben, sind im österreichischen Lehrplan der Volksschule fest verankert. Diese erworbenen Kenntnisse über AR einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen, impliziert eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Sachinformationen dazu. Nach einem analogen Rundgang durch den Wohnbezirk und den dazu erhaltenen mündlichen Informationen konzipieren die Lernenden der Grundstufe II in kleinen Gruppen Sachtexte zu den ausgewählten Objekten, die anschließend über eine AR-Plattform an den ausgewählten Stellen digital hinterlegt werden und über ein Smartphone und die App BlippAR abrufbar sind.

 

Praxiskonzept 3: Selbstverfasste Sachtexte über das Tool Book Creator online veröffentlichen

Informationen zu bestimmten Sachthemen zu recherchieren und diese dann in einem Sachtext komprimiert und strukturiert zusammenzufassen, ist das Ziel des dritten Praxiskonzepts. Die Lernenden gewinnen über Sachtexte auf verschiedenen sprachlichen Niveaustufen Informationen zu bestimmten Themen. Anschließend verfassen die Lernenden mit den zentralen Informationen einen eigenen Sachtext, der dann über das Tool Book-Creator der gesamten Lerngruppe und deren Eltern digital zur Verfügung gestellt wird.

Literatur

Bialystok, E. (2001). Link to Literacy. In: Bilingualism in Development Language. Literacy and Cognition. Cambridge: Cambridge University Press. S. 152–181.

Carmigniani, J. & Furht, B. (2011). Augmented Reality: An Overview. In: Furht, B. (Hrsg.): Handbook of Augmented Reality. New York, Dordrecht, Heidelberg, London: Springer. S. 3-46.

Castellanos, A. & Pérez, C. (2017). New Challenge in Education: Enhancing Student’s Knowledge through Augmented Reality. In: Ariso, J. M.: Augmented Reality. Berlin, Boston. Walter de Gruyter. S. 273–294.

Hellmich, F. & Kiper, H. (2006). Einführung in die Grundschuldidaktik Weinheim und Basel. Beltz.

Gibbons, P. (2015). Scaffolding Language, Scaffolding Learning. Teaching Second Language Learners in the Mainstream Classroom. Portsmouth, NH: Heinemann.

Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest (2021). Kim-Studie. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Online unter: http://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/KIM/2020/KIM-Studie2020_WEB_final.pdf. (16.05.2021)

Naphegyi, S. (2020). Der „Rote-Faden-Text“ als Einstieg für digitale Hördetektive – ein Unterrichtskonzept. In: Erziehung & Unterricht, 170 Jg. Heft 9–10. S. 889–891.

Naphegyi, S. (2021). Augmented Reality als Brücke von analogen zu digitalen Lese- und Schreibwelten. In: Grundschulmagazin 4/21. Friedrich-Verlag. S. 34–39. (erscheint im Juli 2021)

Naphegyi, S. (2021). Digitale Hördetektive. In: Grundschulmagazin 5/21. Friedrich-Verlag. (erscheint im September 2021